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Sicca Syndrom – Leidensweg einer augenscheinlich simplen Diagnose Teil 2

Juni 1, 2017
Sicca Syndrom

Habt ihr den ersten Teil der Story schon gelesen? Dort erkläre ich wie die Diagnose gestellt wurde und was ich alles dafür tun musste. Wenn euch der Umgang mit dem Sicca Syndrom im Alltag mehr interessiert seid ihr hier genau richtig. Wollt ihr diesen Teil überspringen und gleich erfahren welche Therapiemaßnahmen ich setze? Dann geht es hier zu dem Beitrag.

In diesem Teil der Story geht es um den Alltag und wo Achtsamkeit geboten ist. Doch vorher möchte ich noch eine Krankheit erwähnen, die mit dem Sicca Syndrom vieles gemeinsam hat und oft auch einfach als Sicca Syndrom bezeichnet wird.

Es gibt eine rheumatische Erkrankung, Sjögren Syndrom genannt, auf dieses wurde ich umfangreich im evangelischen Krankenhaus getestet. Zum Glück negativ, doch die Trockenheitsymptome sind ähnlich. Ich habe im Krankenhaus mit einer ganz lieben Frau ein Zimmer geteilt, die an dieser Krankheit leidet. Wir haben uns gegenseitig Tipps gegeben. Dank ihr bin ich auf das Produkt Lumison von Sonnenmoor aufmerksam geworden. Es hat mir geholfen meine Lunge zu stärken.

Umgang mit dem Sicca Syndrom im Alltag

Ich wohnte damals in der Nähe des viel befahrenen Gürtels. Zu der Zeit war es mir wichtig nicht weit von coolen Clubs zu wohnen, um zu Fuß nachhause zu gehen. Wer das Chelsea oder das Cafe Concerto kennt weiß wie schlecht die Luft in dieser Gegend ist. Respektive die Luft in den Clubs selbst. Nebelmaschinen, trockene Luft und vor allem Zigarettenrauch und Alkohol wirken austrocknend und reizend.

Zuhause

Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 50-60% liegen. Mir persönlich tut es gut wenn der Wert im oberen Bereich liegt. Da ich nun abseits der Partyszene wohne und mir bewusst eine Wohnung, umgeben mit Grünflächen ausgesucht habe, sieht es mit der Qualität der Umgebungsluft ganz gut aus. Die Luft in den Wohnräumen wird durch Pflanzen, welche sich gut auf das Raumklima auswirken, optimiert. Dazu gehören Grünlilien, Farne, Bogenhanf,…einfach mal googlen. Statt einem lackierten Holzboden befürworte ich einen geölten. Dieser lässt den Raum mehr atmen, da er eine gewisse Menge an Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann. Die relative Luftfeuchtigkeit messe ich mit speziellen Geräten und stelle sie mit einem Luftwäscher ein, wenn es nötig ist. Dieser reinigt die Luft zusätzlich auch von Hausstaub und Pollen.

Was mich zu dem nächsten Punkt bringt – Teppiche. Ich bin kein Freund von Teppichen, da diese zwar Staub und sonstige Partikeln auffangen und festhalten doch diese beim Darüber gehen in höheren Konzentrationen wieder aufwirbeln. Daher gibt es nur sehr wenige Teppiche in meiner Wohnung und v.a. da wo ich nicht viel drauflatsche, wie z.B. unter dem Esstisch. Im Schlafzimmer befinden sich keine elektronisichen Geräte und auch das Handy wird beim Schlafen gehen auf Flugmodus gestellt.

Im Bad hat jeder sein eigenes Handtuch, nicht nur ein Dusch- bzw. Badehandtuch sondern auch ein eigenes für Gesicht und Hände. Wer unter einem Sicca Syndrom leidet ist infektanfälliger und durch das gemeinsame Benutzen von Handtüchern ist die Gefahr von Übertragungen sehr groß. Das regelmäßige Händewaschen (gleich nach dem Nachhause kommen, nach der Benutzung der Toilette – auch wen es nur das “kleines Geschäft” war, wenn man  in die Handfläche niest oder hustet,…) erwähne ich hier auch extra, obwohl das ja bestimmt allen klar ist.

Arbeitsplatz

Hier gelten im Prinzip die selben Regeln wie zuhause nur sind sie viel schwerer umzusetzen. Als sich das Sicca Syndrom im höchsten Maße bemerkbar machte, arbeitete ich noch in einem Labor. Hier hatte ich mit diversen Chemikalien zu tun, deren Beschaffenheit (feines Pulver, Dämpfe) meine Atemwege reizten. Auch die Durchführung mancher Experimente machte es mir zeitlich beinahe unmöglich regelmäßig Wasser zu trinken – man musste oft exakte Zeiten bei bestimmten Reaktionsschritten einhalten. Das Gebäude selbst war auch nicht mehr das jüngste, die Absaugung der Raumluft war teilweise stärker eingestellt als die Zufuhr. Desshalb saß man oft in der Zugluft. Auch die Luftfeuchtigkeit war sehr niedrig und machte mir zu schaffen. Befinden sich Klimanalagen in den Räumen, ist dies ein weiterer unangenehmer Faktor. Oft werden sie unzureichend gewartet und sind richtige Drecksschleudern! Mein Lunge verträgt Klimaanlagen leider überhaupt nicht. Die Bronchien entzünden sich innerhalb kürzester Zeit. Von Ärzten wurde geraten mich nach einem anderen Job umzusehen und mit der Unterstützung  der Chefitäten jener Arbeitsgruppe, in der ich beschäftigt war, konnte ich in die Administration wechseln.

In einem Bürojob hat man mehr Möglichkeiten:

  • Luftbefeuchter oder Luftwäscher in deiner Nähe aufstellen
  • Genug Wasser zum trinken am Schreibplatz platzieren
  • Bildschirmpausen einlegen –  entspannende Übungen für die Augen einplanen
  • Pflanzen aufstellen (hier eine Übersicht jener Pflanzen, die für ein gutes Raumklima sorgen)
  • das leidige Thema mit der Klimaanlage ist wohl schwierig zu lösen, wenn man kein eigenes Büro für sich hat. Man möchte doch auch selbst nicht bei 30°C in der Hitze brutzeln. Hier habe ich leider keine optimale Lösung parat – ausser ihr habt die Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten oder verwendet eine Atemschutzmaske.

 

Unterwegs

Am Weg zur Arbeit und wieder nachhause kommt man nicht drum rum z.B. Autoabgase einzuatmen. Im Sommer laufen auch in den Öffis und Geschäften die Klimaanlagen auf Hochtouren. Haltet die Aufenthaltsdauer gering und atmet wenn möglich in einen Schal oder setzt euch eine stylische Atemschutzmaske auf. :/ Hier ist es wichtig alle notwendigen Medikamente und Utensilien mitzuhaben um sie ggf. gleich benutzen zu können. Meiner Erfahrung nach komme ich im Winter in der Heizperiode besser klar als im Sommer mit den verfluchten Klimaanlagen. Trockene Luft führt nicht gleich zu entzündeten Bronchien – gekühlte Luft, vollgepackt mit Feinstaub, Viren, Bakterien und Keimen, schon!

Es kann ebenfalls vorkommen, dass man in der Öffentlichkeit die eine oder andere passive Zigarette mitrauchen muss. Hier versuche ich im Vorfeld schon zu erkennen wann jemand gerade dabei ist mich seinen Zigarettenrauch einatmen zu lassen und versuche in dem Moment ganz sanft die Luft anzuhalten und bewege mich vom Rauch weg oder warte bis derjenige sich verpisst hat – entschuldigt meine Ausdrucksweise aber die Rücksicht auf Nichtraucher ist viel zu wenig präsent, da werde ich schnell ungehalten. Habt ihr Raucher in der Familie oder im Freundeskreis? Macht sie höflich darauf aufmerksam nicht in eurer Nähe zu rauchen. Bleibt standhaft und besucht keine Leute, die in geschlossenen Räumen rauchen. Fordert das Nichtrauchen aber nicht vehement ein, sondern zeigt auch Verständnis.

Checkliste für Sicca Syndrom Geplagte

  • physikalische Reize meiden, darunter fallen eine Menge Dinge
    • Autoabgase
    • Zigarettenrauch (siehe Beitrag Das leidige Thema rauchen)
    • Klimaanalagen
    • Heizungen
    • trockene Luft (auch ohne Heizung möglich)
    • Nebelmaschinen
    • Lagerfeuer, Kaminfeuer – betrifft z.B. das Grillen mit Holzkohle
    • Staub
    • Pollen
    • Kaffee
    • Alkohol
    • Parfüms, Raumsprays, Sprühdeos, Haarspray, qualitativ schlechte ätherische Öle
    • trockenes Essen (sehr schwierig herauszufinden, am meisten merke ich eine Verschlechterung bei Gebäck und Pizza) siehe Abschnitt Ernährung

 

  • Orte meiden
    • ohne eindeutige Raucher/Nichtraucher Trennung (oft gibt es zwar eine räumliche Trennung doch durch die Luftzirkulation vermischt sich der Rauch trotzdem mit der Luft im Nichtraucherbereich)
    • mit Nebelmaschinen (wie es leider oft in Clubs und Discotheken der Fall ist)
    • mit viel Verkehr
    • mit Klimaanlagen (was leider so gut wie fast unmöglich ist z.B. in Taxis, Busse, Zügen und Flugzeugen
    • Autos im Allgemeinen (ausser ihr lässt das Lüftungssystem inkl. Klimaanlage mit einem Ultraschallgerät reinigen und achtet auf die Dauer des Betriebes von Heizung und Klimaanlage)
    • Städte mit einer hohen Feinstaubbelastung

Vor allem wenn es regnet geht es mir nicht gut. Warum ist das eigentlich so? Gerade bei Regen steigt doch die Luftfeuchtigkeit an, oder? Dachte ich auch aber irgendwie stimmt das nicht. Luftfeuchtigkeit kann man sich als winzige fein verteilte Tröpfchen in der Luft vorstellen. Je kälter es ist, desto weniger kann die Luft an Feuchtigkeit aufnehmen. Wenn es regnet ziehen die großen Regentropfen die feinen Wasserpartikeln der Luftfeuchtigkeit mit nach unten. Erst nachdem der Regen aufgehört hat verdunstet das Wasser wieder und erhöht somit die Luftfeuchtigkeit. Diese Theorie möchte ich gerne von einem Meterologen bestätigen lassen, leider bin ich noch nicht dazu gekommen.

Ernährung 

Leider musste ich feststellen, dass mein Geruch- und Geschmackssinn an Intensität verloren haben. Das ärgert mich sehr, da ich unglaublich gerne esse. Um trotzdem noch Geschmacksexplosionen erleben zu können experimentiere ich mit vielen verschiedenen Kräuter und stelle eigne Gewürzmischungen her. z.B. Chinese-8-spice oder das Old Bay Gewürz. Mein neuster Liebling ist Shiso-Basilikum! Oder kennt ihr auch Zimtbasilikum, Olivenkraut und Agretti?

Versucht euch trotzdem gesund zu ernähren. Kauft regionale bzw. biologische Produkte ein, denn oft sind Obst und Gemüse wahre Giftschleudern, die euren Körper unnötig belasten. Der Körper von chronisch kranken Menschen braucht viel mehr Energie (Immunantwort und Abwehr, Verdauung,…) Achtet bei der Zubereitung auf eine nährstoffschonende Methode, in dem ihr Gemüse sehr kurz erhitzt und anschließend bei geringer Hitze nur solange weich kocht bis die gewünschte Bissfestigkeit erreicht ist. Eine schonende Methode ist das Dampfgaren mit speziellen Geräten.

Probiert einige meiner Rezepte aus wenn sie euch zusagen. Ist euer grundlegendes Ernährungspirnzip regional, biologisch und ausgewogen, dann spricht nichts dagegen wenn Mahlzeiten aus der Reihe tanzen. Mein Laster sind Chips, hier tu ich mir echt schwer Alternativen zu finden auf die ich genauso Lust habe wie auf die Chips von Naturals. 🙂 Hier mache ich öfters Kohl– oder Gemüsechips bzw. liebe ich Kartoffelwedges mit Tetrapackerlsoße!

Zusätzlich reizend und/oder austrocknend wirken auch Kaffee, Alkohol, sogar Kamillen- und Grüntee. Anstelle von Kaffee verwende ich einen Aufguss aus gemahlenen Lupinen. Schmeckt natürlich nicht wie Kaffee aus Kaffeebohnen doch ist es eine gesunde Alternative. Wenn ihr Lupinenkaffee als ganze Bohnen kauft stehen in verschiedenen Supermärkten Mühlen zur freien Verfügung. Hier darauf achten, dass ihr einen mittleren Mahlgrad einstellt. Zu fein gemahlen verstopft es euren Espressokocher. Auch Milch und Milchprodukte können unter Umständen nicht gut vertragen werden. Ich habe bemerkt, dass es mir besser geht wenn ich so gut wie möglich auf Milchprodukte verzichte. Hafer- oder Reismilch ist ein guter Ersatz für die Kuhmilch im Kaffee doch zur Zubereitung von Kakao schmeckt sie mir gar nicht. 🙁 Auch hier gilt wieder der komplette Verzicht ist nicht notwendig, eine große Reduktion ist schon mal viel wert!

Was ihr versuchen solltet zu reduzieren bzw. zu vermeiden:

  • Milch und Milchprodukte
  • Behandeltes bzw. gespritztes Obst und Gemüse
  • Konventionelles Fleisch und Wurstwaren (ausser biologischer/regionaler und artgerechter Herkunft, konventionell werden Tiere mit verschiedenen Medikamenten behandelt, die sich im Fleisch anlagern können, auch wird auf die Herkunft des Futters nicht geachtet)
  • Raffinierter Zucker
  • Limonaden und Softdrinks
  • Alkohol
  • Glutenhaltiges Getreide, z.B. der Verzehr von großen Mengen Weizenmehl
  • Fertiggerichte (enthalten oft große Mengen an Konservierungsstoffen, viel Salz und sind weitgehend nährstoffarm)

Zum Thema Ernährung könnte ich so vieles Erzählen doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass man hier so viel reden kann wie man will. Um eine Veränderung herbeizurufen muss der Leser selbst Willens sein seine Ernährung umzustellen und sich die nötige Zeit nehmen um sich schlau zu machen was “sich gesund ernähren” eigentlich bedeutet.

Ein paar einfache Tipps um loszustarten

In meiner Nähe befinden sich der Biohof Prohaska und die Bioschanze, dass sind Betriebe die Ab-Hof frisches Biogemüse verkaufen. Dort kaufe ich gerne ein. Anschließend suche ich nach Rezepten, oder schmeiße wahllos etwas in die Pfanne. Da ich ein Händchen für gute Rezepte habe fällt es mir nicht schwer ungefähr zu wissen was ich kombinieren kann. Letztens habe ich mich selbst mit einem echt guten vegetarischen Letscho überrascht! Habt ihr auch Gemüsehändler in eurer Nähe?

Die Psyche und der Stress

Erwiesenermaßen hat Stress einen bedeutenden Einfluss auf die Psyche und respektive auf die Gesundheit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich meine Symptome verschlimmern wenn ich unter Stress stehe oder wieder mal Probleme mit einem Familienmitglied habe. Fakt ist aber Stress löst Krankheiten nicht aus, es verstärkt die Symptomatik massiv. Um mit den gesundheitlichen Problem, meinen kaputten Gelenken bzw. mit meinem Körper im Alltag zurecht zu kommen besuche ich regelmäßig Sitzungen bei einem Psychologen. Anfangs war ich total skeptisch, doch nachdem ich mich eine zeitlang darauf eingelassen hatte empfand ich die Therapie wahnsinnig hilfreich. Durch die Psychotherapie habe ich herausgefunden wie ich am besten mit komplexen Situationen umgehen kann ohne auf meinen stärksten Abwehrmechanismus, den Jähzorn, zurückgreifen zu müssen. Ich erzähle von Situationen, die mich belasten und versuche meine emotionalen Reaktionen zu hinterfragen. Der Therapeut hilft mir mit seinem Wissen Situationen und Denkmuster von einer anderen Perspektive zu betrachten und gibt mir nützliche Skills mit auf den Weg um den Alltag so stressfrei wie möglich bestreiten zu können. Am hilfreichsten war der Prozess in dem ich versucht habe meine innere Ruhe zu finden. Das ist mir auch tatsächlich gelungen, trotz der Up and Downs, die leider niemals ganz aufhören werden. Wer viel erlebt hat vergisst nicht, doch mit der nötigen Selbsterkenntnis und einem reflektierten Verhalten ist man in der Lage mit komplexen Situationen umzugehen. Daher möchte ich an dieser Stelle meiner Therapeutin danken, die mir nach der ersten Hüftoperation geholfen hat wieder ein Gespür für meinen Körper zu erlangen. Auch war sie mir eine große Stütze in der Zeit als mir das Sicca Syndrom einiges abverlangt und mich meinen Job gekostet hat.

Weil ich an mir selbst beobachten kann welchen positiven Einfluss psychologische Gespräche haben können, möchte ich euch gerne dazu animieren euch über eure Lebensweise Gedanken zu machen, euren Alltag zu hinterfragen und wo eventuell Handlungsbedarf herrscht um ein gesünderes und fröhliches Leben führen zu können.

Bei Fragen, Kritik oder Anregungen könnt ihr mich gerne kontaktieren. Ich freue mich über Feedback! office@tetrapackerl.com

Titelbild: pixabay

Aktualisiert: 02.10.2017

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