Alltagsgschichtln | Gesundheit

Das leidige Thema Rauchen

September 8, 2017
Zigaretten

Ein riesengroßes Thema in meinem Leben ist das passive Einatmen von Zigarettenrauch. In meiner Jugendzeit habe ich nie viel darüber nachgedacht. Ausprobiert habe ich es, doch mein Körper hat mir unmissverständlich klar gemacht er mag es nicht. Bevor meine Lunge erkrankte habe ich es wortlos akzeptiert. Immerhin gibt es in vielen Lokalitäten mittlerweile einen Nichtraucherbereich. Aber sind wir mal ehrlich, gut umsetzen konnten es viele Bars und Restaurants nicht. Entweder ist der Bereich wo das Rauchen erlaubt ist jener direkt beim Eingang oder die Tür, welche symbolisch für die Trennung beider Bereiche darstellt, ist die meiste Zeit geöffnet bzw. wenn KellnerInnen und Gäste ein- und aus gehen vermischt sich der Zigarettenrauch sowieso mit der Raumluft des Lokals. 

Dieses Thema liegt mir deswegen so sehr am Herzen weil es meiner Meinung nach, neben der politischen Gesinnung, der häufigste Streitfaktor ist. In meinem Umfeld fühlen sich Raucher mehr diskriminiert als Nichtraucher. Warum ist das so? Darf man als Nichtraucher, Kind oder Lungenkranker denn nicht erwarten, dass neben einem nicht geraucht wird? Ist das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Restaurants, Bars denn wirklich notwendig? Darüber habe ich mir seit meiner Diagnose Bronchitis Sicca – hyperreagibles Bronchialsystem viele Gedanken gemacht.

Restaurants, Bars und das Nachtleben in Wien

Passivrauchen ist für mich eine der stärksten schleimhautreizenden Substanzen, die unmittelbar zu einem schmerzhaften Reizhusten führen. Es reicht oft wenn nur eine Person in unmittelbarer Nähe raucht. In weiterer Folge entzündet sich das Bronchialgewebe. Klingt die Entzündung mit Hilfe meiner üblichen Therapiemaßnahmen nicht ab, muss ich Kortisontabletten nehmen oder ins Krankenhaus um es intravenös verabreicht zu bekommen. Daher ist mein oberstes Gebot mich soviel wie möglich von Zigarettenrauch fernzuhalten.

Wie sehr denkt ihr schränkt mich das im gesellschaftlichen Leben ein?

Viele Restaurants und Bars haben getrennte Bereiche, doch diese sind nicht gut genug von einander abgeschirmt. Oft muss ich am Weg zu den Toiletten durch einen, mit Rauch erfüllten, Raum spazieren. Clubs und Diskotheken sollten per Gesetz eigentlich rauchfrei sein, doch sind wir mal ehrlich, welcher Raucher geht tatsächlich hinaus wenn er für das Qualmen in den Lokalitäten keine Konsequenz erfährt. Würde ich selbst auch nicht machen, das gebe ich ehrlich zu. Also liegt es hier nicht nur an den Personen selbst sondern auch an der Umsetzung des Nichtraucherschutzes.

Mal vom Zigarettenrauch abgesehen, die zweit schlimmste reizende Substanz ist eine aktive Nebelmaschine. Daher fällt für mich das Vienna Nightlife fast zur Gänze flach. Im Sommer ist es etwas besser, hier kann ich ja auf Outdoorveranstaltungen gehen, oder mich in Gastgärten bzw. am Donaukanal aufhalten. Leider musste ich auch hier feststellen, dass die Anzahl an Rauchern überwiegt. Selbst in freier Natur fühle ich mich in eine beinahe unsichtbare Wolke aus Zigarettenrauch gehüllt. Würde ich also mein Vorhaben mich zur Gänze von Zigarettenrauch fernzuhalten durchziehen, muss ich auch im Sommer darauf verzichten mich unter die Leute zu mischen.

Desozialisation und Ängste

Verlust der Beziehungsfähigkeit zur Gesellschaft mit der Folge der Vereinsamung – das ist die Bedeutung von Desozialisation. Abgesehen von der Schwierigkeit etwas mit mir zu unternehmen, kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Dieser macht es meinen Freunden und Familienmitgliedern besonders schwer den Kontakt zu mir aufrechtzuerhalten.

Ich möchte so gerne Freunde treffen und etwas mit meiner Familie unternehmen, doch oft sage ich dann kurzfristig ab. Manchmal fehlt mir auch die Kraft zum Telefonieren oder Nachrichten schreiben. Die Menge an Energie welche ich allein für die Bewältigung meines Alltages brauche, ist durch die Lungenerkrankung und auch durch Probleme mit meinen Gelenken (siehe Beitrag Schmerzen im Knie) schnell aufgebraucht.  Neben einem 40h Job und keinerlei Nebenaktivitäten wie Treffen mit Freunden, Kino, sportliche Aktivitäten oder den Haushalt machen, schaffe ich es manchmal nicht mal mehr zu Inhalieren. Auch der Luftwäscher im Schlafzimmer gehört gereinigt und nachgefüllt. Dieser sorgt u.a. für eine höhere Luftfeuchtigkeit, die ich zum Schlafen brauche. Oft wache ich in der Nacht auf weil sich meine Atemwege anfühlen als wären sie noch nie mit Wasser in Berührung gekommen. Dann muss ich aufstehen und meinen Inhalator herrichten. Hoffentlich habe ich bei der vorigen Benutzung nicht vergessen ihn in heißes Wasser einzulegen, damit er desinfiziert wird. Sonst atme ich womöglich einen konzentrierten Haufen von Bakterien oder Viren ein. Daher bekomme ich manchmal zu wenig Schlaf und der Körper kann sich nur unzureichend erholen. Dieses Spiel spiele ich Woche für Woche.

Nicht nur, dass ich meinem näheren Umfeld schon allein mit meiner Krankheit Sorgen bereite, ich setze noch einen drauf und muss verlangen, dass in meiner Nähe nicht geraucht werden darf.

Freunde, Familie und Bekannte können auf unterschiedlichste Art und Weise Mitgefühl und Rücksicht zeigen. Manchen ist es zuviel wenn zu intensiv über körperliche Probleme gesprochen wird, hier ist es meiner Erfahrung nach hilfreich direkt zu sagen wie sie helfen können. Ich kann  sagen bitte nicht in meiner Gegenwart rauchen. Die Ausführung dieser Bitte birgt einen großen Zwiespalt. Dann rauch ich halt aus dem Fenster oder geh in die Küche.
Nett gemeint, doch das ist nicht hilfreich oder zumutbar. Rauch verteilt sich durch die Zirkulation der Raumluft relativ schnell in der ganzen Wohnung. Selbst hinter geschlossenen Türen rauchen bringt nichts, denn wenn der Raucher das Zimmer wieder verlassen möchte muss er gezwungener Maßen die Tür öffnen. Auch wenn nicht sind Türen nicht hermetisch abgeschlossen, d.h. gerade bei geöffnetem Fenster kommt der Rauch sehr leicht durch Türspalten und Schlüssellöcher.

Dieses Thema hat mich schon einiges an Energie gekostet. Mit sehr viel Geduld und thermodynamischer Aufklärungsarbeit gelingt es mir zumindest jene zu überzeugen, die tatsächlich bereit sind aus ihrer Komfortzone zu kommen. Allen anderen, die ihren Umgang mit Zigaretten nicht überdenken wollen wenn Kinder, Schwangere, Immunschwache oder Lungenkranke in der Nähe sind muss ich leider den Kontakt reduzieren der ganz aufgeben. Nicht desshalb weil sie mir nicht wichtig sind, sondern weil sie mir nicht das selbe Verständnis entgegen bringen, dass ich bereit bin zu geben.

give up

Das alles macht mir Angst und wenn ich Angst habe werde ich ungehalten, heule, vergrabe mich in meinem Zimmer und verliere meinen Mut weiterzukämpfen.  Ich möchte nicht um Rücksicht betteln müssen, ich möchte mich nicht eingesperrt fühlen weil auf Nichtraucher keine Rücksicht genommen wird. Klar verstehe ich die Auswirkungen eines generellen Nichtraucherverbotes und wie es sich finanziell auf die Gastronomie auswirkt, was es für das Land bedeutet wenn der Kauf von Zigaretten und den damit einhergehenden Verlust von Steuergeldern. Das ist Aufgabe der Regierung!

Doch jeder Raucher hat die Pflicht auf seine Mitmenschen Rücksicht zu nehmen!
Ich rauche nicht und möchte ihn auch passiv nicht abbekommen!

Picturecrdits: cover – pixabay

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