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Knieschmerzen – Plica Syndrom

November 19, 2016

Die Plica ist eine im Kniegelenk verdickte Schleimhautfalte. Abhängig von der Lage der Synovialfalte wird das Syndrom in drei Kategorien eingeteilt. Plica suprapatellaris, mediopatellaris und infrapatellaris.
Im Dezember 2013 und September 2017 wurde die Plica, eine wirklich dummes verdicktes Gewebe, dass im Kniegelenk nix zu suchen hat, mittels Arthroskopie entfernt. Diese sogenannte Schleimhautfalte ist ein Überbleibsel aus der Entwicklung des Kniegelenks. Normalerweise wird diese Membran von körpereigenen Fresszellen abgebaut oder verbleibt ohne große Folgen im Gelenk.

Symtomatik

Oft kommt es trotzdem zu einer Entzündung, da die Falte beim Abbiegen des Gelenks stört. Man verspürt ein Schnappen oder Schnalzen, dass sehr unangenehm sein kann. Stiegen hinauf steigen, Radfahren und “stop and go” Sportarten wir Fußball und Tennis reizen. Auch klettern bzw. bouldern kann zu Entzündungen führen, weil durch diese Bewegungen die Falte eingezwickt wird, sich verdickt, entzündet und schlussendlich schmerzt.
Anfangs mit Physiotherapie und Kortisoninjektionen behandelt, leider erfolglos, war es 2013 so weit die Plica im linken Knie operativ zu entfernen. 2017 kam das rechte Kniegelenk dran.

Beim Autofahren, genauer gesagt beim betätigen der Kupplung ist mir aufgefallen, dass das linke Kniegelenk blockiert und sich nur mit einem festen Ruck wieder einknacksen lässt. Das tat dann auch schon mal ordentlich weh. Verdickt sich die Plica sehr stark, können bestimmte Bewegungen nicht mehr ordnungsgemäß ausgeführt werden. Teile des Gelenks müssen dann über die Falte gleiten. Zu dem Zeitpunkt der Knieschmerzen wusste ich noch nichts von dem Plicasyndrom. Generell hatte ich wenig Ahnung von Gelenken. Der Ärztemarathon hatte begonnen und hiermit auch mein Leidensweg.

Falsche Diagnose

Tückisch an dem Plicasyndrom ist dessen Diagnosestellung. Auch in der Orthopäde gibt es Ärzte, die sich auf einzelne Gelenke spezialisiert haben. Meistens ist es bei herkömmlichen Ärzten mit einem Kassenvertrag allerdings schwierig an kompetente Personen zu gelangen. Wie erkennt man als Laie Ärzte, die wirklich daran interessiert sind herauszufinden was einem fehlt? Der Hund liegt in meinem Fall nicht nur beim Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, bei dem ich in Behandlung war, sondern fängt schon beim Radiologen an, der den Befund vom MRT ausstellte. “Meniskusschaden und Binnenschädigung des Kreuzbandes”. Wenns da steht wirds schon so sein, dachte ich mir. Der Orthopäde wirft einen Blick auf den Befund – eigentlich sollte er sich die MRT Aufnahmen selbst anschauen und sich nicht auf das Geschreibsel vom Radiologen verlassen, der ist ja kein Kniespezialist,…der Orthopäde aus Purkersdorf anscheinend auch nicht. Eine Physiotherapie für die vom Radiologen ausgestellte Diagnose wird mir verschrieben. Leider musste ich feststellen, dass die physiotherapeutischen Übungen wie z.B. Kniebeugen zu intensiveren Schmerzen führten.

Nach einem Jahr wurden die Schmerzen so stark, dass ich angefangen habe in der Arbeit darüber zu suddern. Mein damaliger Kollege – liebevoll von mir auch Arbeitsehemann genannt – hatte zur selben Zeit massivere Probleme mit Knorpelabnützungen in beiden Knien und empfahl seinen Facharzt und versicherte mir, “der Arzt ist ein Hammer”.

Während der Zeit im Wartezimmer schwif – schweifen, schwif, geschwifen? depates Wort – mein Blick…- ich formuliere es anders – Während der Wartezeit ließ ich meine Blick über das, mit mir wartende, Klientel schweifen. Vorwiegend junge Fußballer. Bissl genervt von der langen Wartezeit war ich schon aber ganz ehrlich ich würde sogar die doppelte Wartezeit in Kauf nehmen nur um nochmal zu so einem tollen Arzt zu kommen. Motiviert, witzig und gut gelaunt drückt er auf meinem Knie herum und findet auch sofort heraus was Sache ist. Viel genauer als der Orthopäde, der mein Bein nur ein bissi in die Richtung und ein bissi in die andere Richtung gedreht hat, bevor er mir die Hand unter die Kniescheibe schob. Das tat damals sehr weh.- Zohle Zeichen nennt man das und nun zitiere ich aus einem Wikipediaeintrag:

Allerdings ist die Aussagekraft sehr eingeschränkt, da der Test “auch beim Großteil der Gesunden positiv” ausfällt.

 

Das heißt soviel wie “Jedem tut das weh”. Der Hammer-Arzt vermutete – ein Plica Syndrom. Am MRT nicht ersichtlich, konnte er die Falte dennoch ertasten. Unter Ausübung von Druck tat dies auch genau an der Stelle weh wo er die Plica vermutete. Das MRT hat er sich auch angesehen und konnte weder Schäden am Meniskus noch am Kreuzband feststellen – soviel zu der Kompetenz des Radiologen. Zuerst wurde versucht die Entzündung mit hochdosierten Schmerzmitteln einzudämmen, wenn das nicht klappt kommen kortisonhaltige Spritzen zum Einsatz. Ich soll mich melden wenn es nicht besser wird. Wurde es auch nicht und ich bat um einen schnellen Termin weil die Schmerzen schon recht heftig waren. Blöderweise war er zu dem Zeitpunkt mit dem Fußballteam unterwegs, rief mich aber persönlich zurück und sagte ich solle ins Krankenhaus gehen, dort bekomme ich auch eine Spritze.

Jetzt kommt die Frechheit des Jahrhunderts, im AKH wurde ich von der Notfallaufnahme in die Orthopädie geschickt, mit einem Rollstuhl hingefahren. Das war sehr rücksichtsvoll aber auch nicht der Grund meines Ärgers. Über die Wartezeit möchte ich gar nicht reden, der Arzt extrem unfreundlich, ich sag ihm was los ist und nannte ihm auch die Dosis an Schmerzmitteln, die ich derzeit nehmen sollte. Er drehte und drückte mein Bein ebenso ungenau wie der Komiker aus Purkersdorf und keifte mich an was ich hier zu suchen habe. Seine Patienten wären vorwiegend Krebskranke, ich kann eine Schiene haben wenn ich will und soll die doppelte Dosis Schmerzmittel (Diclofenac) nehmen – passt, liebe Grüße an Ihren Kollegen aus der Inneren, den seh ich dann wohl bald wenn ich Ihrem Ratschlag folge leiste. Nebenbei erwähnt, Schmerzmitteln mit dem Wirkstoff Diclofenac schlugen bei mir nicht an. Eine bessere Schmerzlinderung empfand ich bei Einnahme von Ibuprofen, welches ich auch ohne weiteres vertrage. Dies erkannte ich allerdings erst nach der ersten Operation.

Tränenüberströmt rief ich meinen Arzt an, erzählte ihm mein Horrorerlebnis und sagte ihm ich bleibe die nächsten Tag nur im Bett liegen und er soll mir bitte rasch einen Termin geben, denn ich fahre sicher nicht in ein anderes Krankenhaus. Er hat die inkompetente Behandlung vom Ortho-Arsch auch nicht lustig gefunden und mir recht gegeben, dass das nicht in Ordnung war. Psychisch ein totales Wrack, wartete ich bis die Tage verstrichen.

Die Operation im AKH

Der Versuch die Entzündung mit einem Kortisonjaukerl in den Griff zu bekommen scheiterte und schließlich kam ich Ende 2013 im AKH unters Messer. Ich war da schon sehr skeptisch warum ich wieder ins AKH sollte. Die Abteilung sei eine andere, er selbst hatte früher die Leitung inne und kenne auch die aktuelle, ich werde in wirklich guten Händen sein, sagte mein Arzt.

Er sollte recht behalten, die behandelten Ärzte waren nicht nur kompetent sondern auch freundlich und beantworteten auch in Ruhe meine Fragen. Mein Wunsch, eine DVD mit den Bildern der Operation zu bekommen, wurde sogar erfüllt. Das Pflegepersonal jedoch war unterbesetzt und überfordert. Ein Tipp von meinem Arbeitsehemann, der auch im AKH, in der selben Abteilung wie ich operiert wurde, “wenn die Schmerzen gerade noch aushaltbar sind, sag schon Bescheid, dass sie dir was geben sollen, denn bis sie da sind vergeht gleich mal eine halbe Stunde.”

Nach einigen Tagen konnte ich problemlos mit Krücken gehen und auf der Arbeitsweihnachtsfeier war ich auch. 🙂 Es hat mir wirklich gut getan meine Kollegen zu sehen. Überhaupt möchte ich erwähnen, dass vor allem das Umfeld in der Arbeit gut gepasst hatte, meine Chefin und auch einige Kollegen haben mich tatkräftig unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich, in vielen Firmen wird der Ausfall einer Arbeitskraft nicht besonders unterstützend gehandhabt. Eher das Gegenteil ist der Fall, weil oft die notwendigen Ressourcen nicht vorhanden sind um die ausfallende Arbeitskraft auszugleichen. – und das Resultat dessen sind oft spinnende überforderte Kollegen, ein angepisster Chef und ein gestresster Patient, dem man die Schuld der Überforderung im Team zuspricht. – Die Kompensation war anscheinend zu der Zeit meines Ausfalls möglich. War ja auch nicht allzu lange im Krankenstand. Aber wenn man mal resümiert, dass ich bis zur Operation schon um die 1-2 Jahre mit Schmerzen und Fehldiagnosen herumgegurkt bin bis endlich ein ordentlicher Arzt sich darum kümmert die Ursache herauszufinden muss man sich echt an die Birne klatschen.

Update 09.2017: die zweite Operation am anderen Kniegelenk wurde wieder im AKH durchgeführt. Diesmal wusste ich schon, dass es sich um ein Plicasyndrom handelte und auch die Ärzte konnten es ertasten. Weder wollte ich Schmerzmittel nehmen noch Kortisonspritzen erhalten. Ich wollte operiert werden und nicht warten bis die Schmerzen wieder so stark waren, dass ich kaum noch gehen konnte. Zwischen der ersten Operation 2013 und der zweiten Knieoperation 2017 dürfte sich in der Organisation im AKH einiges verbessert haben. Die Krankenpfleger und Schwestern waren super freundlich und schnell. In der Nacht nach der Operation wurde ich außerordentlich gut betreut. Zu dem Zeitpunkt dieser Operation hatte ich ebenfalls mit einer Atemwegserkrankung zu kämpfen. Diese wird mich leider auch nicht mehr verlassen und meine Lunge reagiert auf alle Möglichen Substanzen. Im Warteraum vor den Operationsräumen war die Luft getränkt mit Desinfektionsmittel. Es brauchte nur wenige Atemzüge und das Atem verwandelte sich in einen brennenden Schmerz, der durch einen Hustenanfall verschlimmert wurde. Auch hier reagierte das Personal freundlich, rasch und super hilfsbereit. Mir wurde eine spezielle Atemschutzmaske gebracht, welche so kleine Moleküle wie jene von Alkoholen auffingen. Der Gedanke an die Operation selbst machte mich nicht nervös. Doch wie man auf mich wegen meiner Lungenerkrankung reagieren würde machte mich ungemein ängstlich. Zu oft habe ich es schon erlebt, dass man mir diesbezüglich mit zu wenig Ernsthaftigkeit begegnete. Es war nicht viel Zeit von der Schleuse bis zur Narkose, doch diese Zeit nutze das Operationsteam um mir Fragen zu stellen und mir zu erklären was sie anders machen konnten um meine Lunge zu schonen. Das hat mich schwer beeindruckt! Auch im Aufwachraum war ich nicht alleine. Jene Person der die Patienten nach der Narkose betreut hat sich ebenfalls super lieb um mich gekümmert und viel mit mir geredet. Das war sehr beruhigend.

In der ersten Nacht nach der Operation litt ich an starken Schmerzen. Das Knie selbst tat gar nicht so weh, doch das gesamte Bein war in einen Verband gewickelt, der wohl viel zu fest angebracht wurde. Das führte zu massiven Schwellungen und meine Zehen waren so dick wie lauter kleine Michelinmänchen. Jene Krankenschwester welche in dieser Nacht Dienst hatte kümmerte sich wirklich total lieb um mich und hat mir auch den Verband am Fuß aufgeschnitten damit meine Zehen wieder durchblutet werden konnten. Am nächsten Tag wurde er komplett erneuert. Da durch die Entfernung der Synovialfalte größere Blutungen entstehen wurde eine Drainage gelegt. Der Redonschlauch dient zum Abfließen der Wundflüssigkeit, welche ohne Drainage punktiert hätte werden müssen. Vielen tut angeblich das Ziehen des Schlauches weh, ich hatte daher große Angst als es so weit war ihn zu entfernen. Bis auf ein unangenehmes Ziehen habe ich jedoch nichts gespürt.

Postoperativer Verband und Drainage (Redon).

Physiotherapie

Das Um und Auf nach Gelenksoperationen ist eine gut geplante Physiotherapie. Wie sollte eine gute Physiotherapie organisiert sein? Auf alle Fälle keine Massenabfertigung wie es leider oft bei Therapeuten mit Kassenverträgen der Fall ist. Ich möchte hier nicht allgemein über die Krankenkasse und Ärzte, die einen Vertrag mit ihr haben, schimpfen. Es ist logistisch betrachtet mit Sicherheit ein wahnsinniger Aufwand. Doch es ist sehr wichtig jeden Patienten individuell zu untersuchen und nicht nur auf die Diagnose am Überweisungsschein zu achten. Der Bewegungsapparat eines jeden Menschen ist unterschiedlich und bedarf einer spezifischen Zusammenstellung von diversen Behandlungen und Übungen. Werden die Übungen nicht ausreichend erklärt oder sind zu fordernd, bzw. nimmt der Patient sie nicht ernst fügen sie einem mehr Schaden zu als sie nutzen.

Dem Knie gehts wieder gut 

Innerhalb eines Jahres nach der ersten Operation (2013) schaffte ich es, mit der Hilfe eines guten Physiotherapeuten, wieder fit wie ein Turnschuh am Vienna Night Run und Business Run mit zulaufen und war total stolz auf mich, dass ich den prä- und postoperativen Stress sowohl physisch als auch psychisch sehr gut meistern konnte. Nach dem Zieleinlauf des Night Runs merkte ich ein Stechen im Rücken und weil ich eh schon wusste, dass die Bandscheibe hin und wieder Probleme machte – L5S1, Klugerscheißerpackerl kennt sich aus – dachte ich mir nichts weiter dabei und hab zuhause auch brav meine Rückenübungen gemacht. Allerdings kam der Schmerz nicht von den Bandscheiben sondern von der linken Hüfte und diese Geschichte ist umfangreicher und wehleidiger als diese hier…

Nachdem die Nähte gezogen wurden und das Gewebe begonnen hat zu heilen können Topfenwickel und kühle Umschläge (Gelpads aus der Apotheke oder ein Sackerl mit Eiswürfeln) hilfreich sein. Bein öfters hochlagern und anfangs nicht zu viel herumlaufen. Nach der Operation kann ich folgendes empfehlen (am Besten schon vorher besorgen): statt den gängigen Thrombosespritzen gibt es einen Pen (Lovenox) der weniger schmerzhaft ist und nicht an eine Spritze erinnert. Der Pen muss vom Arzt verschrieben werden und die Handhabung wird auch in der Apotheke erklärt. Übungen mit einer motorischen Bewegungschiene sind sinnvoll (Verordnung vom Arzt holen, Bständig anrufen und sich die Schiene kostenlos ausborgen). Physiotherapie ist ein Muss und folgendes sollte an Geräten und Utensilien zuhause vorhanden sein: Pezziball, Gymnastikmatte, Therabänder, ein balance pad und/oder eine balance board.

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